von Dave | Feb. 7, 2018 | Allgemein, HMM, Landesliga
Gestern ging es für unsere Truppe zu einem wegweisenden Auswärtsspiel gegen die zweite Mannschaft der Schachfreunde. Auf dem Papier waren wir wohl klarer Favorit. Nicht nur, weil wir an den meisten Brettern die höhere Wertungszahl aufzuweisen hatten, sondern auch, weil die Schachfreunde in der Tabelle den letzten Platz belegten. Dennoch war uns bewusst, dass kein leichter Kampf bevorstehen würde. Zum einen, weil unsere Gegner mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen den bis dato führenden HSK ein Lebenszeichen gesendet hatte, zum anderen, weil unsere Gegner einige gefährliche Jungspunde aufgeboten hatten. Dennoch war ein Sieg fest eingeplant und kaum einer ahnte, zu was für einem gebrauchten Sonntag sich der Tag entwickeln sollte…
Aber der Reihe nach: Alles begann mit der Aufstellung. Captain Matthias musste für das Spiel krankheitsbedingt absagen (oder wollte er Martins standardmäßige Jammern bei jeder Schwarzpartie verhindern?), für ihn sprang kurzfristig Said in die Mannschaft. Damit ergaben sich die Paarungen (aus Sicht von Diagonale):
Ich (Christoph) – Florian Kull
Niels Jorgen – Matthias Hermann
Christian – Gerrit Oelmeyer
Gregor – Jonas Simon Gremmel
Martin – Oliver Steinmetz
Daniel – Fritz Fegebank
Said – Clemens Mix
Andrei – Tino Paulsen
Zwei Partien endeten ziemlich schnell friedlich. Christian schien aus der Eröffnung mit einer guten Stellung mit Läuferpaar rausgekommen zu sein. Nachdem es sein Gegner dann aber schaffte, die weiße Struktur zu entwerten, gab Christian die Partie Remis. Gregor zog seine Eröffnung am Damenflügel auf. Sein Gegner stellte sich aber sehr harmonisch hin und spielte auf sein Übergewicht im Zentrum. Zwischendrin gefiel mir die schwarze Stellung gar nicht, aber Gregor gelang es, den gegnerischen Raumvorteil einzudämmen und in ein Endspiel abzuwickeln, das für beide Seiten kaum zu gewinnen war. 1:1 – als Zwischenergebnis war zwar keine Katastrophe, aber da wir an den Brettern 3+4 traditionell mehr als 50% holen, mussten wir nun woanders auf die Suche nach vollen Punkten gehen.
Martin – als Ersatzspielführer – ging mit gutem Beispiel voran. Er besaß die ganze Partie über mehr Raum und die flexiblere Struktur. Mit einigen taktischen Finessen krönte er dann seinen Angriff am Königsflügel mit einem Figurengewinn, wonach er die Partie sicher verwertete. 2:1
Andrei erreichte in seiner Partie eine typisch-königsindische Struktur. Er verzichtete auf den typischen Plan mit f5-f4 nebst g6-g5-g4, um stattdessen die f-Linie zu öffnen und den gegnerischen König auf f1 anzugreifen. Dieser brachte sich aber schnell in Sicherheit und in der entstandenen Struktur ohne eigene Hebel hatte er die undankbare Aufgabe, sich passiv gegen den weißen Angriff am Damenflügel zu stellen. Es kam aber, wie es kommen musste, Weiß fand einen Durchbruch und Andrei blieb nichts anderes als die Partie aufzugeben. 2:2
Said opferte in der Eröffnung seinen wichtigen e4-Bauern, um seinen Figuren offene Linien zum Angreifen zu geben. Die schwarze Struktur war aber dermaßen fest (u.a. Bauernkette f7-e6-d5), dass die Kompensation eher dünn wirkte. Said bemühte sich bis ins Endspiel, ausreichende Aktivität zu erzeugen, doch spätestens nach einem Rechenfehler im Turmendspiel war es ein Kampf gegen Windmühlen. 2:3
Ich selbst wurde von meinem Gegner mit 1.d4 d5 2.c4 Lf5!? überrascht. Da ich selbst auf der Suche nach einer Schwarzeröffnung gegen 1.d4 schon sämtliches Kraut gespielt habe, wusste ich, dass 3.cxd5 Lxb1 4.Da4+ c6 5.dxc6 Sxc6 6.Txb1 sehr unangenehm für Schwarz ist, da Weiß einfach das Läuferpaar bei offenem Zentrum bekommt. Mir gelang es, den Vorteil aufrecht zu erhalten und Schwarz ließ sich irgendwann auf eine forcierte Variante ein, die in einem interessanten 4 vs 3 Bauern an einem Flügel, bei ungleichen Läufern, aber Türmen auf dem Brett mündete.
Ohne allzu tiefe Analyse, deutet meine Chessbase-Suche nach ähnlichen Endspielen darauf hin, dass die Stellung tatsächlich sehr gewinnträchtig ist (was sich mit meiner eigenen Einschätzung während der Partie deckt), weil der schwarze Turm passiv an den f7 gebunden ist und Schwarz auch nicht so schnell aus der Situation rauskommt. In der Folge gelang es mir tatsächlich schnell Fortschritte zu machen und – indem ich es irgendwann schaffte, die Ungleichfarbigen mit einem kleinen Trick abzutauschen – in ein gewonnenes Turmendspiel abzuwickeln. 3:3
Bisher waren alle Partien relativ bald nach der ersten Zeitkontrolle entschieden worden. Die letzten beiden Partien wurden allerdings eine richtige Marathon-Veranstaltung.
Daniel holte sich in der Eröffnung die schwarzen Felder und stand immer sehr bequem. Auf der Suche nach Ideen, seine Stellung weiter zu verbessern, lavierte er eine ganze Weile umher, lehnte mehrere Remisangebote ab und entschied sich irgendwann im Mannschaftssinne (zu dem Zeitpunkt sah es eher gefährlich für uns aus), die Brücken hinter sich abzubrechen und volles Risiko zu fahren. Sein routinierter Gegner wehrte aber alle Drohungen ab, brach selbst im Zentrum durch und hinterließ Daniel eine Stellung, die dann wohl einfach nicht mehr zu verteidigen war. 3:4
Als allerletztes spielte noch Niels Jorgen. Er hatte (mit Schwarz) aus der Eröffnung heraus eine Stellung erlangt, in der er selbst in keiner Verlustgefahr war, aber ohne Gefahr auf den vollen Punkt drücken konnte. Als Preis dafür musste er allerdings alle Figuren bis auf ein Turmpaar abtauschen. Niels Jorgen probierte alles, um seine bessere Struktur in etwas Greifbares zu verwerten, gewann einen Bauern, probierte jeden erdenklichen Winkelzug, aber musste letzten Endes seinem Gegner Anerkennung zollen, der jeden Gewinnversuch abwehrte, sich trotz schwieriger Verteidigungsstellung nie in Zeitnot bringen ließ und am Ende das Remis rettete. Am Ende des Tages stand also eine unerwartete 3,5-4,5-Niederlage. Nach Hätte-hätte-Fahrradkette ließe sich wieder über alle möglichen Ereignisse im Konjunktiv diskutieren („…, hätte Matthias gespielt; hätte Daniel das Remis angenommen;…“), aber letzten Endes war die Niederlage wohl einfach verdient. In drei Wochen (25.2) geht es zuhause gegen Großhansdorf, die zwei Mannschaftspunkte vor uns liegen. Wäre kein schlechter Zeitpunkt, mal wieder einen Sieg einzufahren!
Christoph
von Dave | Jan. 26, 2018 | Allgemein, HMM, Landesliga
Manchmal sollte man nachts nicht auf sein Smartphone schauen…
Habe ich dennoch gemacht und so gab es für mich am Sonntagmorgen noch die schöne Aufgabe einen 8ten Mann ans Brett zu bekommen. Meine Wahl fiel auf Andrei, eine gute Wahl, wie sich später wieder einmal herausstellen sollte. Beim SKJE ist es immer spannend, es geht schon damit los, ob alle den Eingang zum Spiellokal finden. Klappte diesmal aber 1a. Schiedsrichter war wieder einmal Heinz-Werner vom FC St.Pauli, ebenfalls eine sehr gute Wahl, da wir unter seiner Leitung noch nie verloren haben und er ein netter Kerl ist.
Das 1-0 schoss nach 60 Minuten Niels-Jorgen, da sein Gegner den Eingang zum Spiellokal nicht fand oder einfach zuviel Respekt hatte oder vielleicht auch Beides auf einmal. Kurz darauf spielten Christian und Christoph Remis ohne den Mannschaftsführer zu fragen, weil Sie meinten der Mannschaftsführer würde sowieso gewinnen. Eine Meinung, die der Mannschaftsführer zu dieser Zeit nicht wirklich teilen wollte. Egal, 2-1 für uns.
Martin spielte 20 Züge aus einem Guss gegen Borislava Borisova (wohl ein Künstlername), doch ab Zug 21 wurde der Guss rissig und so stand es schnell 2-2. Nun musste der Mannschaftsführer eben doch gewinnen, was er gegen Phillip Keyser auch tat, souverän geht allerdings anders 😉 3-2 für uns. Etienne war gegen Andrej Zobel sehr gut dabei und hatte, nachdem er einige Klippen umschiffen musste, schon den Siegesschrei auf den Lippen, doch in Zeitnot wendete sich das Blatt und somit stand es 3-3.
Daniel stand gegen Mark-Finn Müller immer gut und wir hofften hier auf den Führungstreffer. Da aber alle Turmendspiele Remis sind, stand es bald leider nur 3,5 zu 3,5.
Der Held des Tages wurde dann Andrei. Er hatte 2 Bauern im Turmendspiel weniger und es gab sehr sehr wenig Hoffnung, aber Super-Andrei schaffte das Unmögliche und spielte Remis, 4-4. Wir können damit sicher sehr zufrieden sein und werden gegen Schachfreunde wieder um 2 Punkte kämpfen.
von Dave | Dez. 22, 2017 | Allgemein, Turniere
Noch nie waren so viele Schachspieler und Spielerinnen zum legendären Weihnachtsturnier in der Alten Forst erschienen: 22 Mitspieler an 11 Brettern verlangten allen eine gute Kondition ab. Da rauchten nicht nur die Köpfe, sondern auch der Glühwein auf dem Herd. Marcel führte professionell – wie jedes Jahr – die Punktetabelle der 10-Minuten Partien. Sogar Johnathan hatte den Weg in die Heimat gefunden und zwei Gäste aus Brasilien mitgebracht. Selbstredend gab es ausreichend Punch, Kuchen und Keskse, um den Marathon physisch und psychisch zu überstehen.
Nach vier Stunden stand der Sieger fest, der als Erster von dem reich bepackten Gabentisch ein Geschenk aussuchen durfte. Achtung Überraschung: The winner is….. Jonathan! Who else? Schön, dass er wieder einmal da war und allen zeigte, dass auch im nächten Jahr noch Luft nach oben ist. Frohe Weihnachten!
Wer Lust und Zeit hat kommt zum Sylvester-Spieleabend. Allen anderen aktiven und passiven Mitspielern, Freunden und Förderern des Schachvereins: Wunderbare Feiertage und und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!!
von Dave | Dez. 13, 2017 | Allgemein, Landesliga
Leider hat es letzten Sonntag zuhause gegen St.Pauli 3 nicht zum erhofften Punktgewinn gereicht.
Wir führten vor der Zeitkontrolle 3,5 zu 2,5 und mussten uns dann dennoch -nach großem Kampf- 3,5 zu 4,5 geschlagen geben. Die Winterpause kommt für uns also gerade rechtzeitig um alle Akkus wieder aufzuladen und Mitte Januar 2018 gegen SKJE 2 den Sieg anzupeilen.
P.S. Danke an Malte Turski (Schiri der Partie) für die gute und umsichtige Betreuung und das schöne Foto
von Dave | Nov. 15, 2017 | Allgemein, HMM, Landesliga
Als wir nach dem Match im La Pergola (ein Kunde auf TripAdvisor: „Ich verstehe die guten Bewertungen für dieses Restaurant nicht. Langweilige, geschmacksarme Speisen mit Dekorationscharme der 70er Jahre. Dazu sitzt man seinen Tischnachbarn fast auf dem Schoß.“, also genau das Richtige für uns) saßen, wüssten wir nicht ob wir lachen oder weinen sollten. Wir hatten wieder einmal 4-4 gegen Union Eimsbüttel gespielt und waren dem Sieg doch zum Schluß sehr nahe.
Union hatte alles aufgeboten und spielte in Bestbesetzung (DWZ Schnitt 2093). Wir waren auch gut dabei und lagen bei einem DWZ-Schnitt von 2045. Heinz-Werner war Schiri und somit konnte es nur gut gehen.
Das Drama verlief wie folgt (alle Stellungen und weitere schöne Infos auch auf der Union Homepage, Danke Markus):
Etienne spielte solide und sehr gut gegen Markus Winter und seine Schlußstellung haben wir uns schon einmal für das nächste Mannschaftstraining vorgenommen. Diesmal aber 0,5 zu 0,5.
Christoph macht an Brett 1 da weiter, wo er letzte Saison an Brett 3 aufgehört hat, er gewinnt und gewinnt, diesmal gegen Thorsten Stelting. Also 1,5 zu 0,5.
Niels Jorgen hatte mit Andreas Förster einen Wolga-Experten als Gegner, dennoch gewann Niels Jorgen, da er noch bessere Ideen hatte und Andreas zum Schluß nicht mehr an seine Stellung glaubte… 2,5 zu 0,5
Ich spielte gegen Lutz Franke, der die Eröffnung deutlich besser als ich behandelte und mit seinem gesunden Mehrbauern meine Lage nicht verbesserte. Union schreibt von „Drama“, wie auch immer, ich gewann erst den Bauern zurück und dann die Partie, also 3,5 zu 0,5. Es fehlte nicht mehr viel.
Andrei hatte mit Schwarz gegen Ralf-Dieter Urban immer etwas gedrückt gestanden. Dann kam noch Material dazu und im Gegensatz zu Lutz rückte Ralf-Dieter dies nicht mehr raus, 3,5 zu 1,5.
Martin war gegen Holger Henrich in eine Eröffnungsfalle gelaufen und schaffte es mit Weniger-Turm noch reichlich Komplikationen zu erzeugen. Nach der Zeitkontrolle war dennoch Schluß, 3,5 zu 2,5.
Gregor und Christian standen beide auf Remis und so analysierten wir fröhlich im Nebenraum.
Gregors Partie war dann auch als Nächste fertig, nur leider gibt es zwischen Zug 40 und 43 bessere Partien von Ihm. Ralf Adloff war es egal 3,5 zu 3,5.
Daraufhin machten Christian und Gerrit Voigt schnell Remis um auch das Standardresultat 4-4 zu sichern.
Insgesamt gegen einen starken Gegner eine starke Leistung mit Glück und Pech auf beiden Seiten. Weiter geht es gegen St.Pauli 3 zuhause am 10.12.
von Dave | Okt. 31, 2017 | Allgemein
Als unser Schachwart im Vorfeld der Zweitrundenbegegnung Diagonale-Weiße Dame in den Mannschaftswhatsappchat die Zeilen „As I walk through the valley of the shadow of death I take a look at my life and realize there’s nothin‘ left“ tastelte, da machten sich nur die Uninitiierten Gedanken ob seines Geisteszustandes – wir anderen haben ja die Hoffnung bereits aufgegeben. Aber die Tauglichkeit merkwürdiger 90er-Jahre-Filmmusiken zur Begleitung des Schachsports darf durchaus in Frage gestellt werden, weswegen extra für Marcel dieser Bericht von Kultur in Form deutscher Volksmusik handeln soll. (mehr …)